Lebensadern der Stadt
Sechs Uhr morgens in Deutschland. Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln über das Dächermeer, Wasserhähne werden aufgedreht, Kaffee wird gekocht, aus den Bäckereien dringt der Duft frisch gebackener Brötchen. Autos, Busse, Bahnen, Fahrräder und E-Bikes – ein Land setzt sich in Bewegung. Voraussetzung für das Leben wie wir es kennen ist der permanente Fluss von Energie, Wasser, Wärme und Daten. 80 Zentimeter unter unseren Füßen beginnt ein weitverzweigtes Netzwerk von Leitungen, Rohren und Kanälen, durch das dieser Fluss zuverlässig organisiert wird – nahezu geräusch-, geruch- und gefahrlos. Das war nicht zu allen Zeiten so und ist eine Errungenschaft der modernen Ingenieurskunst und städtischen Organisation.

Auf Herz und Nieren geprüft: der Stadtorganismus
Wenn man sich die Stadt als lebendiges Wesen vorstellt, dann liegen wie beim Menschen alle lebensnotwendigen Organe, Verbindungen und Kreisläufe im Verborgenen.
Herzblut des Wohlbefindens: Wärme und Erdgas
Erneuerbare Fern- und Nahwärme gewinnt als Energiequelle für das Heizen eine immer größere Bedeutung und löst zunehmend das Heizen mit Erdgas ab. Entsprechend wird in ganz Deutschland, vor allem in urbanen Gebieten, das Wärme-Leitungsnetz kontinuierlich ausgebaut.
Das Nervensystem: Strom und Datenübertragung
Auf der obersten Ebene direkt unterhalb des Straßenniveaus ist das Nervensystem der Stadt zu verorten. Stromleitungen, Glasfaser- und Kupferkabel bilden ein komplexes Netzwerk, das Licht, technische Funktionalität und Kommunikation auf allen Ebenen sicherstellt.
Das Verdauungssystem: Kanalisation
Abwasserkanäle sind der Darm der Stadt. Ohne sie würde die Stadt von ihren eigenen Stoffwechselprodukten „vergiftet“ werden. Heute wird das Schmutzwasser aus den Haushalten nach Möglichkeit vom Regenwasser getrennt. Von 576.000 Kilometern öffentlicher Kanalisation in Deutschland sind 42 Prozent Mischwasser-, 36 Prozent Schmutzwasser- und 22 Prozent Regenwasserkanäle.
Adern und Arterien: Wasserversorgung
Damit sauberes Trinkwasser bis in die hintersten Hausanschlüsse und Hähne im fünfzehnten Stock gelangt, ist ein stabiles Leitungssystem mit konstantem Druck erforderlich, das von den Brunnen ausgehend über die Wasserwerke und Hochbehälter über das gesamte Stadtgebiet und alle Höhen- und Druckunterschiede ausbalanciert wird.